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Wolfang Cramer: 30 Jahre im Jugendmigrationsdienst

Große Überraschung zum Dienstjubiläum

„Ich komme noch immer jeden Tag gerne zu Arbeit“, sagt Wolfgang Cramer, seit 30 Jahren Migrationsberater beim Jugendmigrationsdienst (JMD) der Gemeindediakonie Lübeck. „Ich freue mich täglich auf meine Kollegen und meine Klienten.“ Zu seinem besonderen Dienstjubiläum hatte ihn das Team des Migrationsfachdienstes im Haus der Diakonie mit einem bunten Gabentisch überrascht. Der Besprechungstisch in Cramers Büro quoll geradezu über mit Luftballons und Geschenken, die an die vergangenen drei Jahrzehnte erinnern sollen.

„Ich habe mir gedacht, dass da was kommt“, so der 59-Jährige verblüfft. „Aber damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin platt.“ So hatten die Kolleginnen und Kollegen unter anderem ein Fotoalbum zusammengestellt, in dem verschiedene dienstliche Stationen und Erlebnisse mit persönlichen Widmungen versehen waren. Außerdem erhielt Wolfgang Cramer eine auf ihn zugeschnittene, mit Fotos versehene Chronik des Jugendmigrationsdienstes von 1989 bis heute.
 

Erste Klienten waren ehemalige DDR-Bürger und Aussiedler

Auch der JMD in Lübeck besteht in diesem Jahr 30 Jahre – denn Wolfgang Cramer war der „Mann der ersten Stunde“. Der in Wilhelmshaven aufgewachsene Diplom-Sozialpädagoge und Sozialarbeiter kam kurz nach dem deutschen Mauerfall sowie dem Fall des Eisernen Vorhangs nach Lübeck. Das damalige Diakonische Werk suchte dringend einen Berater für die Neubürgerinnen und Neubürger aus der früheren DDR sowie die Aussiedlerinnen und Aussiedler aus Polen und der ehemaligen Sowjetunion. „Ich hatte mein Bewerbungsgespräch am 30. November 1989 und sollte am 1. Dezember anfangen“, erinnert sich Cramer. „Da ich noch keine Wohnung hatte, wies man mir ein Zimmer in der Seemannsmission zu. Nachts hörte ich das Tuckern der Trabis, die nach dem Einkaufen in Lübeck wieder Richtung Mecklenburg fuhren.“ Eine inzwischen verrentete Mitarbeiterin des damaligen Diakonischen Werks, Elisabeth Zimmermann, lernte den jungen Kollegen damals an. Überraschend schaute auch sie zum Gratulieren vorbei, und gemeinsam kramte man in alten Erinnerungen.
 

Beratung oft in früheren Kasernen

Der Vorläufer des heutigen Jugendmigrationsdienstes – damals noch das Jugendgemeinschaftswerk - war bis zum Jahr 2003 nur für ehemalige DDR-Bürger sowie junge Aussiedlerinnen und Aussiedler zuständig. 1993 kam Cornelia Bauke, die heutige Bereichsleiterin Migration und Integration, als Beraterin dazu. „Zu zweit haben wir in Spitzenzeiten wie 1996 jährlich 400 Klientinnen und Klienten beraten“, so Cramer. „Die Fälle waren damals aber längst nicht so komplex wie die heutige Migrationsberatung.“ Viele der jungen Menschen hätten damals in ausgedienten Kasernen gelebt, unter anderem in Blankensee oder in der Cambrai-Kaserne. Das Beraterteam habe dort auch Sprechstunden gegeben. Neben der Beratung habe man noch Zeit und finanzielle Mittel für viele Freizeit- und Gruppenangebote gehabt – vom Segeln auf dem Ratzeburger See über das Zelten mit Lagerfeuer sowie Wochenend- und Familienfreizeiten bis hin zum Feiern im selbst gebauten Jugendkeller.

Heute begleiten fünf JMD-Mitarbeitende auf dreieinhalb Stellen jährlich rund 500 Klientinnen und Klienten im Alter von 12 bis 26 Jahren. Die Migrantinnen und Migranten kommen zu großen Teilen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Eritrea, Somalia und dem Jemen. „Die Probleme sind jetzt ganz andere, individuell wesentlich umfangreicher“, so Wolfgang Cramer. Resümierend meint er: „Für meinen Job brauche ich heute eine Engelsgeduld, eine enorme Flexibilität und Sensibilität.“ Augenzwinkernd fügt er hinzu: „Mein ostfriesischer Dickkopf ist auch ganz hilfreich.“

 

 

 

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