Fachtag mit einer bewegenden Fluchtgeschichte

Wie lassen sich interkulturelle Perspektiven und ganzheitliche Beratungsansätze miteinander verbinden, um Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen besser zu unterstützen? Dieser Frage haben sich Fachkräfte, Engagierte und Vertreter*innen sozialer Einrichtungen bei einem Fachtag des Familienzentrums BunteKuh – Sprungtuch e. V. Lübeck in Kooperation mit der Gemeindediakonie und dem Haus der Kulturen gewidmet.

Migrationsberater Abdulla Mehmud bei seinem Vortrag zu den Stationen seiner Flucht.

Rund 120 angemeldete Besucher*innen kamen am 14. November zu der Veranstaltung unter dem Motto „Interkulturalität und ganzheitliche Beratung“.

Im Rahmen der fünf Impulsvorträge von Expert*innen aus der Praxis und Wissenschaft berichtete Abdulla Mehmud, Berater beim Jugendmigrationsdienst der Gemeindediakonie, von seiner eigenen Flucht aus dem Irak. Der Kurde Mehmud und seine Familie entkamen 1988 nur knapp dem Giftgasangriff des damaligen Diktators Saddam Hussein und flohen getrennt voneinander in die Berge Richtung Türkei. Zuvor hatte sich der politisch aktive Theaterautor und -schauspieler bereits gegen das Regime gestellt und sich einer Gruppe von Partisanen angeschlossen.

Eindrücklich und anhand vieler Fotos schilderte der spätere Mitbegründer des Flüchtlingsforums Lübeck die abenteuerlichen Stationen seiner Flucht unter ständiger Lebensgefahr, aber auch die Solidarität und Menschlichkeit innerhalb der Gruppe. Diese setzte sich auch später im Flüchtlingslager nahe der türkischen Stadt Mardin fort. Später floh Abdulla Mehmud dann zunächst allein weiter und kam über Istanbul nach Deutschland. 1990 stellte er einen Antrag auf Asyl. „Ich wollte in eine Stadt, wo es Musik und Kultur gibt“, sagte er. „Mein Berater hat mir dann Lübeck vorgeschlagen.“ 2008 kam Abdulla Mehmud zu seiner jetzigen Arbeitgeberin: „Die Gemeindediakonie hat mir die Tore und die Herzen geöffnet. Dafür danke ich ihr.“

Abdulla Mehmud beendete seinen bewegenden Vortrag mit einem Appell an die Politik: „Gebt den Geflüchteten Sicherheit und Vertrauen, die Möglichkeit zu Arbeit und Ausbildung. Nur durch Stabilität kann Integration gelingen.“

Weitere Vortragende waren Dr. Elisabeth Kirndörfer vom Paritätischen Schleswig-Holstein, Daniela Rummert von der Stabsstelle Migration und Ehrenamt der Hansestadt Lübeck, Lava Darwish vom Projekt „Komm mit“ des Vereins Sprungtuch e.V. sowie Jahan Mortezai von Jugend und Familie der AWO Schleswig-Holstein gGmbH.

Im Anschluss an die Vorträge fand eine Podiumsdiskussion statt, die Raum für fachlichen Austausch und Vernetzung bot. Der vom Landesministerium für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung geförderte Fachtag schuf damit eine Plattform, um praxisnahe Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und neue Impulse für die Arbeit mit Menschen unterschiedlicher Herkunft zu setzen.

Rund 120 Besucher*innen füllten den Saal im Familienzentrum BunteKuh in der Korvettenstraße.

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