Erinnerung an Frieda Dieber aus der Bismarckstraße

Pastor Kai Gusek bei seinem Grußwort in der Bismarckstraße 10 (neben ihm Dr. Wolfgang Muth, Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk).
Der Stolperstein für Frieda Dieber.

Rund 30 Initiatoren, Gäste und Interessierte erlebten bewegende Momente bei der Verlegung von fünf neuen Stolpersteinen des Bildhauers Gunter Demnig in Nähe der Kirchenkanzlei. Die Initiative Stolpersteine Lübeck hatte dazu am vergangenen Montag in die Wakenitzstraße, die Klosterstraße und die Bismarckstraße eingeladen. Die Verlegungen durch Torsten Zülch geschahen zu Klängen des Musikerduos Jana Nitsch (Akkordeon) und Marcus Berthold (Geige) sowie zur Verlesung der jeweiligen Biografien; auch Gedichte wurden vorgetragen. An den letzten beiden Stationen war auch Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer anwesend. Sie hatte Familienangehörige sowie Mitwirkende der Aktion zuvor im Rathaus empfangen. 

Die goldglänzenden Messingsteine mit den eingravierten Namen und Daten von ermordeten Opfern des Nationalsozialismus  - damit gibt es in Lübeck jetzt 147 - waren von verschiedenen Paten gestiftet worden. Die Gemeindediakonie Lübeck stiftete einen Stein für die Jüdin Frieda Dieber, geborene Rubensohn, die in der Bismarckstraße 10 gewohnte hatte. Sie wurde im Alter von 74 Jahren nach Theresienstadt deportiert und dort am 25. Juli 1944 ermordet. 

Diakoniepastor Kai Gusek nannte es in seinem Grußwort eine Ehre, die Patenschaft für den Stein übernehmen zu dürfen. Kirche und Diakonie hätten aus der Vergangenheit gelernt und handelten entsprechend. Die Gemeindediakonie setze sich heute insbesondere für Flüchtlinge und Asylsuchende ein, die in ihren Heimatländern verfolgt würden. Seine kurze Ansprache beendete Gusek mit dem jüdischen Gruß „Schalom“, dem hebräischen Wort für „Frieden“. 

Im Nachbarhaus, Bismarckstraße 10 – 12, hatte das Ehepaar Siegmund und Ida Cohn gewohnt. Sie kamen 1941 in Riga ums Leben. Die sichtlich gerührten Angehörigen, Enkelin Olga Herbst und Urenkelin Marina Herbst, waren aus Argentinien und Irland angereist, um bei der Zeremonie dabei zu sein. 

Weitere Informationen: www.stolpersteine-luebeck.de