News der Gemeindediakonie


Keine Zusagen, aber großes Interesse

23.11.2018

Staatssekretär besuchte die Bereiche Migration und Asyl

Torsten Geerdts (3. v. r.) besuchte das Haus der Diakonie und traf Gesprächspartner aus den Bereichen Migration und Asyl. Von links: Abdulla Mehmud, Gabriele Sester, Cornelia Bauke, Claudia Rudloff und Dörte Eitel; rechts Landespastor Heiko Naß (Diakonie Schleswig-Holstein).

Im ganzen Land war er schon unterwegs, hat rund 30 Einrichtungen und Projekte zum Thema Integration kennengelernt. Jetzt kam er auch nach Lübeck: Torsten Geerdts (CDU), Staatssekretär im Ministerium für Inneres, ländliche Räume und Integration Schleswig-Holstein, war zu Gast im Haus der Diakonie. Dort traf er sich mit Vertreterinnen und Vertretern der Bereiche Migration und Integration sowie Obdach und Asyl der Gemeindediakonie Lübeck.

„Ich möchte erfahren, welche Einrichtungen es gibt, was gut läuft und was nicht“, begründete er seine Besuchstour. Mit am Tisch saßen Dörte Eitel, Geschäftsführerin der Gemeindediakonie, Cornelia Bauke, Bereichsleiterin Migration und Integration, Migrationsberater Abdulla Mehmud sowie die Projektleiterinnen Gabriele Sester (FLOW) und Claudia Rudloff (Sprachpartnerschaften). Aus persönlichem Interesse war auch Heiko Naß gekommen, Landespastor der Diakonie Schleswig-Holstein. Schnell entspann sich ein angeregter Austausch. Torsten Geerdts hakte immer wieder nach, zum Beispiel beim Thema Familienzusammenführung.

Seit August gibt es dafür eine eigene Beratungsstelle beim Migrationsfachdienst, sie wird als dreijähriges Projekt von der Deutschen Fernsehlotterie gefördert. Die Verfahren dauerten viel zu lange, so Berater Abdulla Mehmud, das sei „inhuman“. Ein Teil der Familie sei in Sicherheit, ein anderer müsse noch jahrelang in Syrien ausharren. „Wie stecken die Familien das weg?“ wollte der Staatsekretär wissen. „Die Männer weinen bei mir“, war die Antwort.  Geerdts äußerte sein Unverständnis über den derzeitigen politischen Umgang mit dem Thema. „In Schleswig-Holstein sind bisher kaum Familien angekommen, bundesweit nur gut 100“, so Geerdts. „Da hat man sich nicht mit Ruhm bekleckert.“ Er plane demnächst Gespräche zu diesem Thema und erbat sich dazu noch Material zu dem Projekt.

Auch das von der Possehl-Stiftung geförderte Projekt FLOW – Für Flüchtlinge! Orientierung und Willkommenskultur stieß bei dem Kieler Gast auf großes Interesse. Besonders beeindruckte ihn, dass das Projekt mehr als 150 Ehrenamtliche beschäftigt. Diese engagieren sich in so genannten Tandems mit je einem jungen Geflüchteten oder auch im Rahmen verschiedener Angebote, etwa in Fahrrad- und Schwimmkursen. Wie hier werde auch im Projekt Sprachpartnerschaften das Prinzip der Partnerschaft „auf Augenhöhe“ gelebt, erklärte Claudia Rudloff.     

Cornelia Bauke fasste die Zielsetzung der Integrationsprojekte zusammen: „Wir versuchen,  präventiv zu arbeiten. Aber wir brauchen Kontinuität. Integration ist ein langwieriger Prozess und sie ist nicht mit einem Sprachkurs getan.“ Seit einigen Jahren müsse besonders die Migrationsberatung mit ständig wechselnden Asylgesetzen und einer unsicheren, manchmal auch unverständlichen Rechtslage umgehen. Vor diesem Hintergrund freue sie sich, dass die Beteiligten ihre Anliegen „vor einem direkt beteiligten politischen Ansprechpartner“ formulieren konnten.