News der Gemeindediakonie


Gesundheitsmobil LĂĽbeck: Wie geht es weiter?

20.09.2017

Podiumsdiskussion und Jubiläumsfeier am 27.9. in den media docks

Projektleiterin Sabine Gritzka (r.) mit zwei von derzeit 13 Ehrenamtlichen des Gesundheitsmobils, der Ă„rztin Dr. Alexa Hildebrand und dem Fahrer Hartmut Modest.

Das Gesundheitsmobil Lübeck fährt in der Woche zehn verschiedene Haltestellen an – wie etwa Ausgabestellen der Lübecker Tafel.

Das Gesundheitsmobil Lübeck wird zehn Jahre alt. Wie es ab 2018 finanziert wird, ist noch unklar. Die Träger bemühen sich darum, die Zukunft des Projektes zu sichern.

„Wir feiern ein äußerst erfolgreiches Gemeinschaftsprojekt der Gemeindediakonie Lübeck und der Johanniter-Unfall-Hilfe zum Wohle sozial benachteiligter Menschen in unserer Stadt“, sagt Lübecks Sozialsenator Sven Schindler in seinem Grußwort zum zehnjährigen Jubiläum. Doch wie es mit dem Erfolgsprojekt, das bisher überwiegend aus Stiftungsgeldern und Spenden finanziert wurde, in Zukunft weitergeht, ist noch völlig offen. Die Förderung durch die Damp-Stiftung läuft noch bis Ende 2017.

Gibt es also Anlass zum Feiern? Diakoniepastorin Dörte Eitel, Geschäftsführerin der Gemeindediakonie Lübeck, bejaht das: „Es ist ein Grund zur Freude, dass das Gesundheitsmobil zehn Jahre – allein durch Stiftungsgelder und Spenden finanziert – Menschen helfen kann“, sagt sie, „und dass diese Hilfe möglich ist, weil Menschen ehrenamtlich für das Gesundheitsmobil arbeiten.“ Das sieht auch Kai-Uwe Preuß so, Vorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Regionalverband Schleswig-Holstein Süd/Ost: „Uns freut es, dass wir den Betrieb und die Finanzierung durch die großzügigen Förderer des Gesundheitsmobils über einen so langen Zeitraum sichern konnten und fast über die gesamte Dauer mit dem gleichen bewährten hauptamtlichen und ehrenamtlichen Personal betreiben konnten.“

Zugleich weisen Träger und Projektverantwortliche darauf hin, dass eine Fortsetzung des Projekts zur Zeit gefährdet ist. Dörte Eitel: „Im öffentlichen und politischen Bewusstsein erfährt das Gesundheitsmobil seit langem eine hohe Wertschätzung. Es wäre wünschenswert, wenn sich verantwortliche Gremien in dieser Situation für uns stark machen würden.“ Projektleiterin Sabine Gritzka wird noch konkreter: „Ich würde mir wünschen, dass wir den Status eines Projektes verlieren und zu einer Einrichtung werden, die durch öffentliche Mittel finanziert wird und fest im Gesundheitssystem integriert ist.“ Schließlich leiste das Gesundheitsmobil überwiegend präventive Arbeit und helfe damit dem Gesundheitssystem, Kosten einzusparen. „Wir sind eine ideale Schnittstelle, um Menschen ins Gesundheitssystem zu reintegrieren“, betont die Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin.

Sie und ihr hauptamtlicher Kollege, Krankenpfleger Thomas MĂĽller, begleiten die Touren des Gesundheitsmobils jeweils mitsamt einer ehrenamtlichen Ă„rztin oder einem ehrenamtlichen Arzt abwechselnd an fĂĽnf Tagen in der Woche. Viele der Klientinnen und Klienten leben auf der StraĂźe, sind zum Teil drogen- und alkoholabhängig. Der Verlust ihrer Alltagskompetenzen erschwert ihnen den Gang in eine Arztpraxis. Das niedrigschwellige Angebot des Gesundheitsmobils ermöglicht diesen Patientinnen und Patienten neben einer Erstversorgung auch eine psycho-soziale Beratung und oft eine schrittweise RĂĽckfĂĽhrung in das reguläre Gesundheitssystem. Durchschnittlich wird so -  bei jährlich rund 850 Behandlungen – Hunderten Menschen geholfen.

Auch zum runden Jubiläum gibt es daher wieder von allen Seiten viel Lob für den „rollenden Behandlungsraum“, der wöchentlich zehn Haltestellen in Lübeck anfährt. Das allein reiche aber nicht, sagt Sabine Gritzka: „Mit unserem Projekt rennen wir zwar bei Mitarbeitenden des Gesundheitsamts und Sozialpolitikern offene Türen ein – aber eine Finanzierung durch öffentliche Mittel ist zu unserem Bedauern immer noch nicht möglich.“

Die Glücksspirale finanzierte die laufenden Kosten während der ersten drei Jahre, außerdem flossen weitere Stiftungs- und Spendenmittel sowie Eigenmittel der Träger ein. Zuletzt hatte die Kieler Damp-Stiftung dem Gesundheitsmobil von 2013 bis 2017 eine Förderung von insgesamt 215.000 Euro bewilligt.

Die Veranstaltung „10 Jahre Gesundheitsmobil Lübeck – Gemeinsam gegen Armut“ findet am Mittwoch, den 27. September, von 19 bis ca. 22 Uhr in den media docks Lübeck, Willy-Brandt-Allee 31, 23554 Lübeck statt. Anmeldungen per E-Mail an rose-oertel@gemeindediakonie-luebeck.de oder waldeck@gemeindediakonie-luebeck.de; per Fax unter (0451) 88067-275.

Infos: www.gesundheitsmobil.org