News der Gemeindediakonie


Gemeindediakonie Lübeck und Hansestadt führen „Beratungspass“ für Asylsuchende und Migranten ein

06.12.2017

Heft schafft Übersicht für Geflüchtete und Beratungsstellen

Sonja Schmidt (Gemeindediakonie Lübeck, v.l.n.r.), Anke Seeberger, Stabsstelle Integration bei der Hansestadt Lübeck, sowie André Weidmann und Heiko Praetz, ebenfalls Gemeindediakonie, präsentieren den neuen Beratungspass.

Es ist ein kleines, in freundlichen Farben gestaltetes Heft – und es wird eine große Unterstützung für alle Geflüchteten, Migranten und für sie zuständige Beratungsstellen in Lübeck sein, da ist sich  André Weidmann, Bereichsleiter Obdach & Asyl bei der Gemeinde-diakonie, ganz sicher. „Im Lübecker Beratungspass können Geflüchtete, die in Gemeinschaftsunterkünften für Asylsuchende leben, künftig eintragen lassen, bei welchen Beratungs¬stellen sie vorstellig waren, wer sie dort betreut und ob sie eventuell noch zusätzliche ehrenamtliche Unterstüt¬zung erhalten“, erklärt Weidmann das Heft, welches auf seine Initiative hin entstanden ist.

„Ziel des Beratungspasses ist es, sowohl den Beratungsstellen als auch den Ratsuchenden einen besseren Überblick zu geben, welche Angebote schon wahrgenommen werden und in welchen Bereichen weitere Unterstützung sinnvoll ist“, so Weidmann. „Gleichzeitig wird so einer unnötigen Mehrfachbetreuung vorgebeugt, die Beratungs- und Bildungsträger können sich besser untereinander absprechen. Auch für die Betreuer in den Unterkünften ist auf einen Blick ersichtlich, welche Angebote der Geflüchtete bereits wahrnimmt.“

Anke Seeberger, Leiterin der Stabsstelle Integration bei der Hansestadt Lübeck, war schnell von der Idee des Beratungspasses überzeugt und hat den Druck der ersten Auflage mit Geldern der Hansestadt finanziert: „Hier schaffen wir mit einfachen Mitteln eine große Arbeitserleichterung für alle Beratungsstellen, und auch die Geflüchteten haben die für sie wichtigen Ansprechpartner auf einen Blick zusammen.“ Seeberger freut sich, dass Lübeck mit dem Beratungspass eine Vorreiterrolle einnimmt: „Uns ist keine andere Kommune bekannt, die bisher einen solchen Pass eingeführt hat. Aber die Idee darf natürlich gern kopiert werden.“

Migrationsbegleiter spielen wichtige Rolle bei der Integration

André Weidmann weist anlässlich der Vorstellung des Beratungspasses auf eine weitere Lübecker Besonderheit bei der Betreuung von Geflüchteten hin, die allerdings zukünftig in Gefahr ist: der schnelle Einsatz von muttersprachlichen Migrationsbegleitern bei Arztterminen und zur Unterstützung von Betreuern in den Gemeinschaftsunterkünften. „Insbesondere bei kranken Menschen oder bei der Vermittlung  komplizierter Sachverhalte ist der Einsatz von Migrationsbegleitern für beide Seiten eine große Hilfe. Gerade bei schwierigen Terminen reichen die Sprachkenntnisse der Geflüchteten oft noch nicht aus, um wirklich alles zu verstehen“, berichtet der Bereichsleiter von den Erfahrungen seiner Mitarbeitenden.
Bis jetzt konnte die Gemeindediakonie hier unterstützen: „Wir haben zur Zeit noch sechs Mitarbeitende mit entsprechenden Sprachkenntnissen, die allein in den vergangenen sechs Monaten gut 3.000 Übersetzungen geleistet haben“, zieht Weidmann eine beeindruckende Bilanz. Doch durch die rückläufigen Flüchtlingszahlen reduziert sich auch die Zahl der Mitarbeitenden im Bereich Obdach & Asyl der Gemeindediakonie. Die befristeten Verträge der Migrationsbegleiter laufen aus. „Wir können diese Unterstützung zukünftig nicht mehr anbieten“, macht Weidmann deutlich. „Das ist sehr schade für alle Seiten, denn von den unkompliziert abrufbaren Migrationsbegleitern haben nicht nur die Geflüchteten, sondern vor allem auch Ärzte, Krankenhäuser, Gemeinschaftsunterkünfte und Vermieter profitiert. Das wurde uns in den vergangenen Monaten immer wieder zurückgemeldet“, so der Bereichsleiter. Er hofft, dass es doch noch eine kurzfristige Lösung gibt, damit der Migrationsbegleiter-Pool der Gemeindediakonie aufrecht erhalten bleiben kann: „Unsere Migrationsbegleiter spielen eine entscheidende Rolle bei der Integration, das ist im Interesse aller Lübecker.“

Kontakt:
Gemeindediakonie Lübeck, Bereich Obdach & Asyl
André Weidmann, Leitung
Wallstraße 40, 23560 Lübeck
Tel. (0451) 989 000 05
weidmann@gemeindediakonie-luebeck.de