News der Gemeindediakonie


„Der Heimat eine Stimme geben“

05.10.2016

Ausstellung zur Interkulturellen Woche im Stadtteilhaus eröffnet

(V. l.:) Aseel Saghir, Parvaneh Soudikani, Tina Kobold, Abdulla Mehmud und Yassin Hassan (sitzend) in der Ausstellung.

Das Bild seiner Heimat: Die Jahrtausende alte Stadt Erbil, gemalt von Yassin Hassan.

Aseel Saghir und Familie mit dem syrischen Lautenspieler Sulayman Mohamad.

Yassin Hassans Heimat ist, wie er selbst sagt, Kurdistan. Dem irakischen Kurden, der seit 20 Jahren in Deutschland lebt, ist es wichtig, seiner Heimat eine Stimme zu geben. Als Mittel dazu hat er die Malerei gewählt. Hassan ist einer von drei Künstlern und Künstlerinnen, deren Bilder noch bis zum 14. Oktober in einer Ausstellung im Stadtteilhaus Lübeck-St. Lorenz Süd, Hansering 20 b, zu sehen sind. Sie steht unter dem Motto „Kunst verbindet Menschen verschiedener Kulturen“.

Tina Kobold, Leiterin des Projekts „Großeltern im Quartier“ der Gemeindediakonie Lübeck,  und ihre neue Kollegin, die Iranerin Parvaneh Soudikani, eröffneten die Schau mit insgesamt 13 Bildern. Sie ist das Ergebnis einer Kooperation mit dem Migrationsfachdienst der Gemeindediakonie im Rahmen der Interkulturellen Woche Lübeck. Migrationsberater Abdulla Mehmud hatte die Kontakte zu den Künstlern vermittelt.

Neben Yassan Hassan zeigen auch die aus dem Irak stammende Aseel Saghir und die Deutsche Simone Hamann Bilder ganz unterschiedlicher Techniken und Stilrichtungen. Die 39-jährige Saghir hat sich der dekorativen islamischen Maltechnik „Arabesque“ gewidmet. Wie Mosaike muten ihre aufwändigen, filigranen Verzierungen und Schriften in Acryl und Federzeichnung an. Diese Art von Bildern fände sich oft in Moscheen, erklärte die Künstlerin bei der Ausstellungseröffnung. „Ich male bis zu acht Monate an einem Bild“, so die vierfache Mutter.

Der 48-jährige Yassin Hassan malt realistisch und sagt: „Meine Bilder erklären sich selbst.“ Menschen, Tiere, auch Orte stehen bei seinen farbenfrohen, ausdrucksvollen Acrylbildern im Vordergrund. Eines zeigt lachendes Kind mit weit aufgerissenem Mund, das pure Lebensfreude ausstrahlt. „Das Kind bin ich selbst, wie ich früher war“, erklärt der Künstler. „Ich suche nach ihm.“ Ein anderes Bild zeigt seine alte Heimat, die mehr als 8000 Jahre alte Stadt Erbil, Regierungssitz der Autonomen Region Kurdistan im Irak und Weltkulturerbe der Unesco. „Ich bin sehr dankbar, dass ich hier im Stadtteilhaus ausstellen darf“, sagte der Vater von Drillingsmädchen, der den Irak 1996 aus politischen Gründen verlassen hat.

Simone Hamann schließlich, die bei der Ausstellungseröffnung nicht anwesend war, malt mit freiem Schwung in Acryl, Gouache und Tinte, wobei sie bevorzugt Gesichter andeutet. Die Mitarbeiterin des Migrationsfachdienstes der Gemeindediakonie malt, seit sie 14 ist und wurde im Atelier Colourworks Lübeck unterrichtet.

Zur Eröffnung der Ausstellung kamen neben Interessierten aus dem Stadtteil vor allem die Familien und Freunde der Künstler und bildeten zusammen mit dem syrischen Musiker Sulayman Mohamad an der orientalischen Laute („Ud“) eine fröhliche Gesellschaft. Ehrenamtliche des Stadtteilhauses reichten Getränke und Fingerfood, zu denen auch orientalische Spezialitäten gehörten.

Alle Bilder können auch käuflich erworben werden. Bei Interesse erteilt Tina Kobold gerne Auskunft.

Kontakt: Tel. (0451) 399 80 63, kobold@gemeindediakonie-luebeck.de


 Projekt "Großeltern im Quartier"