News der Gemeindediakonie


Besuch in der Wallstraße: SPD befragte die Bereichsleitung Asyl

29.05.2019

Wohnsituation der Geflüchteten stand im Mittelpunkt

Informierten sich ausführlich über die Betreuung geflüchteter Menschen: Thomas Rother (vorne rechts) und Ingo Schaffenberg (ganz rechts) im Gespräch mit Dörte Eitel, André Weidmann und Heiko Praetz (von links).

André Weidmann, Heiko Praetz, Thomas Rother und Dörte Eitel (v. l.) bei der Begehung der Gemeinschaftsunterkunft Wallstraße.

Wie hat sich die Wohnsituation von Geflüchteten in Lübeck entwickelt? Wie gut funktioniert die Integration der Menschen? Wo kann die Hansestadt Lübeck nachbessern? Diese und noch viele weitere Fragen stellten Vertreter der Lübecker SPD dem Bereichsleiter Obdach und Asyl der Gemeindediakonie Lübeck, André Weidmann, und dessen Stellvertreter Heiko Praetz.

Gemeinsam mit Diakoniepastorin Dörte Eitel, Geschäftsführerin der Gemeindediakonie, empfingen diese den SPD-Landtagsabgeordneten Thomas Rother, seinen Mitarbeiter im Lübecker Wahlkreisbüro, Jan Schenkenberger, und den Vorsitzenden des Sozialausschusses der Lübecker Bürgerschaft, Ingo Schaffenberg (SPD), in der Gemeinschaftsunterkunft Wallstraße.

In der ehemaligen Seefahrtschule informierten sich die Besucher ausführlich über die aktuelle Situation in den 31 Wohnanlagen für Asylsuchende und verschafften sich einen Eindruck von den Räumlichkeiten einer "klassischen Gemeinschaftsunterkunft mit allen Vor- und Nachteilen" (André Weidmann). Nach dem Beschluss der Hansestadt von 2017, die beengte Wohnsituation in den Gemeinschaftsunterkünften zu entzerren, interessierte es Rother und Schaffenberg besonders, inwieweit dies gelungen ist.

Ein gutes Beispiel ist die Unterkunft in der Wallstraße: Lebten hier einmal 80 geflüchtete junge Männer, sind es heute nur noch 30. "Früher gab es hier noch Sechserzimmer", berichtete André Weidmann, "heute leben die Bewohner in Einzel- oder Zweierzimmern." Sie teilten sich Gemeinschaftsduschen und eine Gemeinschaftsküche. "Die Entzerrung ist geglückt", so Weidmann, "auch in den Wohncontainern." Die Entzerrung habe dazu beigetragen, dass die Bewohner mehr Privatsphäre erhalten hätten, zudem habe sie Spannungen in den Unterkünften abgebaut. "Allerdings sind wir durch die Entzerrung an der Grenze unserer Auslastung", so Weidmann.

Die Gemeindediakonie betreut im Auftrag der Hansestadt Lübeck heute noch insgesamt 1300 Bewohnerinnen und Bewohner, die teilweise drei Jahre in den 31 Unterkünften bleiben – trotz des erfolgreichen Probewohn-Modells in Lübeck, das sogar als Vorbild in andere Kommunen getragen werde. Auf die Frage der Besucher, "Was müssen wir als Kommunen tun?" kam unisono auf der anderen Seite zurück: "Wohnungen bauen." Weidmann: "Wir wissen nicht, was wir unseren Bewohnern sagen sollen, wenn sie fragen: ,Können Sie mir bitte helfen, eine bezahlbare Wohnung zu finden?'."

Ein wichtiges Anliegen ist dem Bereichsleiter auch der Erhalt des Solizentrums, da dort kostenlose Angebote nicht nur für geflüchtete Menschen ehrenamtlich vorgehalten würden. "Diese Angebote dienen dem Zusammenhalt der Menschen in Lübeck und geben ihnen zudem die Möglichkeit, sich sozial zu engagieren und für Andere einzusetzen", so Weidmann.

Die Zusammenarbeit mit den Behörden der Hansestadt, auch mit der städtischen Wohnungsgesellschaft Trave, sei auf allen Ebenen ausgesprochen gut, betonten Weidmann und Praetz immer wieder. "Man muss allen Behörden hier großen Respekt zollen", so Weidmann. "Wir profitieren von den kurzen Wegen und einem konstruktiven Austausch."

Gleiches gelte für die Zusammenarbeit mit anderen sozialen Trägern. Für die eigene Arbeit bilanzierte André Weidmann, nach rund drei Jahren Amtszeit: "Wir haben im Bereich Flüchtlingsunterbringung und Betreuung einen roten Faden drin." Anfeindungen von außen, wie sie die Gemeindediakonie um 2016 herum erlebt habe, gebe es kaum noch. Nur gelegentlichen Sozialneid bekämen er und seine Mitarbeitenden immer mal wieder zu spüren. "Es gibt Anrufer, die meinen, nur für die Flüchtlinge werde alles getan. Das beruht auf Unwissenheit, denn es gibt für soziale Notlagen entsprechende Hilfsangebote, an die wir dann auch verweisen bzw. zu denen wir vermitteln."

Zum Schluss gaben Weidmann und Praetz den Besuchern noch einen Wunsch mit auf den Weg: "Eine digitale Übersicht über alle lokalen Hilfsangebote für Geflüchtete und sozial Benachteiligte wäre gut. Das würde auch Doppelstrukturen vermeiden und Hilfe schneller ermöglichen."