Thema Integration lockte BĂĽrgerinnen und BĂĽrger ins Hansemuseum

Abdulla Mehmud, Sven Schindler und Moderator Thomas Waldner (v. l.) auf dem Podium

Mehr als 100 Gäste folgten der Einladung der Gemeindediakonie Lübeck, in einen Dialog zum Thema Integration zu gehen. Bei der ersten Veranstaltung der neuen Gesprächsreihe dialog@diakonie unter dem Titel „Refugees Welcome – und dann? Wie Integration gelingen kann“ am Mittwochabend (7.10.) im Europäischen Hansemuseum Lübeck verfolgten sie eine spannende Diskussion auf dem Podium und brachten sich aktiv mit Fragen und Kommentaren ein.

LĂĽbecks Sozialsenator Sven Schindler, der Hamburger Politikwissenschaftler Kai-Uwe Schnapp, Heidi Näpflein vom LĂĽbecker Projekt „Handwerk ist interkulturell“ und Abdulla Mehmud, Migrationsberater bei der Gemeindediakonie, standen Moderator Thomas Waldner Rede und Antwort. Flankierend gab es Interviews mit dem LĂĽbecker Handwerksmeister Eckard SaĂź, seinen zwei jungen Auszubildenden aus Afghanistan, Hamzar Haidar und Ajmal Hakimi, sowie mit Sabine Nikolarakis  Teilnehmerin des Projektes Sprachpartnerschaften und Lotsen fĂĽr junge MigrantInnen. Publikumsbeiträge sowie ein abschlieĂźender reger Austausch bei Getränken und einem Imbiss rundeten die Veranstaltung ab.

Mehr als 100 Besucher bei „dialog@diakonie“

Thomas Waldner, Kai-Uwe Schnapp, Sven Schindler und Abdulla Mehmud (v. l.)
Hamzar Haidar, Ajmal Hakimi, Eckard Saß, Heidi Näpflein und Thomas Waldner (v. l.)
Mehr als 100 Interessierte waren ins Hansemuseum gekommen

 

Auch wenn das Kernthema des Abends die Integration von FlĂĽchtlingen in LĂĽbeck war,  nahmen die Teilnehmer immer wieder auf die aktuelle Situation rund um die FlĂĽchtlinge in LĂĽbeck Bezug. Er rechne bis Ende des Jahres mit bis zu 100 asylsuchenden Menschen wöchentlich, die LĂĽbeck zusätzlich aufnehmen mĂĽsse, prognostizierte Senator Schindler. Zugleich stellte er klar: „Wir sind nicht am Rande unserer Aufnahmekapazitäten. Was uns fehlt, ist die Zeit, den Zustrom vernĂĽnftig vorzubereiten.“ Die Stadt wolle Wohnungen bauen, die nachhaltig nutzbar seien. Behelfsmäßige UnterkĂĽnfte wie Turnhallen und Container seien eine schnelle Ăśbergangslösung, hob Schindler hervor.

Viele Migranten haben Probleme mit Behörden

Als einer der Knackpunkte beim Thema Integration erwies sich die Bürokratie. Dass viele Migrantinnen und Migranten sich durch die Behörden benachteiligt fühlen, wies Kai-Uwe Schnapp anhand der 2014 fertig gestellten Integrationsstudie „Zusammenleben in Hamburg“ nach, die sein Projektbüro für Angewandte Sozialwissenschaften erstellt hatte. „Ein großes Hindernis ist die Sprache“, gab Abdulla Mehmud seine Erfahrung aus der Migrationsberatung wieder. „Eine Unterstützung der Ämter durch Mitarbeiter mit Migrationshintergrund wäre eine Hilfe“, regte er an. „Wir müssen schneller werden“, forderte Heidi Näpflein. Zuwanderern müsste der Zugang zu Sprachkursen, Ausbildung und Beruf erleichtert werden.

Lübecker Handwerk ist „bereit“

Dem Handwerk sprach die frühere Projektleiterin von „Handwerk ist interkulturell“ im Netzwerk „Land in Sicht – Arbeit für Flüchtlinge“ Schleswig-Holstein ein großes Lob aus: „Das Handwerk ist bereit und heißt Flüchtlinge herzlich willkommen.“ Das bestätigte Sanitärfachmann Eckard Saß und zitierte einen Slogan der Handwerkskammer: „Es kommt nicht darauf an, wo du herkommst, sondern wo du hinwillst. Und mit den beiden macht es einfach Spaß.“ „Die beiden“ sind seine Azubis Hamzar Haidar (22) und Ajmal Hakimi (24) zwei selbstbewusste junge Männer, die voller Optimismus in ihre Zukunft sehen. „Nach der Ausbildung will ich vielleicht noch studieren und mein Deutsch verbessern“, überlegt Haidar, der im Alter von 17 allein aus Afghanistan floh und von einer Reinfelder Familie adoptiert wurde.

„Reden hilft“, brachte Kai-Uwe Schnapp seine Erkenntnisse aus Hamburg auf den Punkt und zog damit auch eine Fazit für alle Beteiligten. Die Befragung von Einwohnern mit und ohne Migrationshintergrund hätte gezeigt, dass beide Seiten sich mehr Kontakt miteinander wünschten. „Aber wir müssen mit allen reden“, so Schnapp weiter, „auch mit denen, die Ängste haben.“

Netzwerk „essentiell wichtig“

Die Besucher hinterlieĂźen ihre Gedanken und Anregungen auf einer Feedback-Tafel. „Ein allgemein gĂĽltiges Netzwerk, das Stadt, Gemeindediakonie, Initiativen und Ehrenamt verbindet, ist essentiell wichtig“, schrieb jemand. „Das heutige Forum hat alle auf Augenhöhe zusammengebracht. GroĂźartig!“ Andere Kommentar lauteten: „Sollte es öfter geben“ oder „Wichtiges Thema, weiterhin kontinuierlich am Ball bleiben“. Die Gemeindediakonie LĂĽbeck plant im kommenden Jahr mindestens eine weitere Veranstaltung der neuen Reihe. Auch dann wird es wieder um ein aktuelles Thema gehen. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.