Glauben in Zeiten des Terrors - Christen, Juden und Muslime vor neuen Herausforderungen

Auf dem Podium beim zweiten. dialog@diakonie: (v.l.): Petra Kallies, Pröpstin des Ev.-Luth. Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, Moderator Thomas Waldner, Claudia Moll-Gienke, Beauftragte für den interreligiösen Dialog in der Ev.-Luth. Kita „Haus in der Sonne“, Prof. Dr. Ulrich Dehn von der Akademie der Weltreligionen an der Universität Hamburg, Imam Abu Ahmed Jakobi vom Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg, Dr. Yakov Yosef Harety, Rabbi der Jüdischen Gemeinde in Lübeck und Pastor Axel Matyba, Beauftragter der Nordkirche für den Christlich-Islamischen Dialog.
Volles Haus: Mehr als 120 Gäste folgten der Einladung der Gemeindediakonie Lübeck zum zweiten „dialog@diakonie“
(v.l.) Moderator Thomas Waldner im Gespräch mit Imam Abu Ahmed Jakobi vom Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg und Dr. Yakov Yosef Harety, Rabbi der Jüdischen Gemeinde in Lübeck

Spannende Diskussionen bei der zweiten Ausgabe von dialog@diakonie

Mit mehr als 120 Teilnehmenden war auch die zweite Ausgabe von „dialog@diakonie“ am Mittwoch, 18.05., im Hansemuseum komplett ausgebucht. Petra Kallies, Pröpstin des Ev.-Luth. Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, Dr. Yakov Yosef Harety, Rabbi der Jüdischen Gemeinde Lübeck und Iman Abu Ahmed Jakobi aus dem Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg stellten sich den Fragen von Moderator Thomas Waldner rund um das Thema „Glauben in Zeiten des Terrors – Christen, Juden und Muslime vor neuen Herausforderungen“. Weitere Gäste der Diskussionsrunde waren Pastor Axel Matyba, Beauftragter der Nordkirche für den Christlich-Islamischen Dialog, Prof. Dr. Ulrich Dehn von der Akademie der Weltreligionen an der Universität Hamburg sowie Claudia Moll-Gienke, Beauftragte für den interreligiösen Dialog in der Kita „Haus in der Sonne“ in Lübeck-Kücknitz.

Nach über 90 Minuten spannender Diskussionen auf dem Podium waren sich die Experten einig: Interreligiöser Dialog ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass die modernen Gesellschaften in Frieden miteinander leben können. Die Religionsvertreter sahen sich hier alle in der Pflicht, diesen Dialog auch und vor allem an der Basis zu fördern: „Ich nehme als Arbeitsauftrag heute mit, den Dialoggedanken noch stärker in die einzelnen Gemeinden zu tragen“, zog Pröpstin Petra Kallies im Anschluss an die Diskussionsrunde mit dem Publikum ihr Fazit. „Es ist gut, dass wir als Experten miteinander sprechen. Aber noch viel wichtiger ist es, dass die Menschen in den Gemeinden einander kennenlernen und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihres Glaubens diskutieren.“

Der Lübecker Rabbi Dr. Yakov Yosef Harety betonte die Gemeinsamkeiten, die Christen, Juden und Muslime miteinander verbinden: „Alle drei Religionen predigen den Frieden. Gott erwartet von uns, dass wir friedlich miteinander leben.“ Harety erklärte, dass die Gemeinden hier auch einen wichtigen erzieherischen Auftrag hätten: „Es ist unsere Aufgabe, gerade auch jungen Menschen diese Werte zu vermitteln.“

Auch der Hamburger Imam Abu Ahmed Jakobi sieht die Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen als gute Grundlage fĂĽr den Dialog: „In Zeiten von Spannungen läuft jede Religion Gefahr, fĂĽr Gewalt missbraucht zu werden. Wir können dem entgegenwirken, indem wir unsere Gemeinsamkeiten erkennen und diese nutzen.“ Laut Jakobi ist der interreligiöse Dialog ein Muss: „Unsere Gesellschaft ist sehr bunt und wird immer bunter werden. Darin liegen sehr viele Chancen fĂĽr unsere Zukunft.“ Pastor Axel Matyba, Beauftragter der Nordkirche fĂĽr den  Christlich-Islamischen Dialog, unterstĂĽtzte die Einschätzung von Jacobi: „Es gibt in allen Religionen zahlreiche Beispiele fĂĽr Radikalisierung. Ich wĂĽrde mir wĂĽnschen, dass die groĂźen Weltreligionen einen neuen Aushandlungsprozess fĂĽr eine Art gemeinsames Leitwerk starten.“

Dass interreligiöser Dialog schon bei den Kleinsten beginnt, berichtete Claudia Moll-Gienke. Sie ist als Erzieherin in der Ev.-Luth. Kita „Haus in der Sonne“ für das Thema zuständig. „Kinder sind sehr interessiert an religiösen Themen, aber gleichzeitig vollkommen vorurteilsfrei. Wenn wir beispielsweise miteinander beten, betet jedes Kind so, wie es dies von zuhause oder aus seiner Religion kennt. Für die Kinder ist das vollkommen normal, dass es da Unterschiede gibt. Die größere Herausforderung für uns ist es, auch den Eltern diese Offenheit zu vermitteln.“

Als Vertreter der Wissenschaft betonte auch Prof. Dr. Ulrich Dehn von der Universität Hamburg abschließend die Bedeutung des interreligiösen Dialogs: „Konflikte, egal in welcher Form, lassen sich nur durch Dialog lösen. Dialog erfordert Kommunikation. Diese kann natürlich auch schieflaufen. Doch umso wichtiger ist es, den Dialog immer wieder aufzunehmen, ihn fortzuführen“. Dehn unterstützte die Aussagen des Hamburger Imams Jakobi: „Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, aus den Religionen das herauszuarbeiten, was den Dialog miteinander fördert.“